„Der zerbrochne Krug“ – Kleist mal anders
„Klassiker sind nicht nur ein Spiegel ihrer Zeit, sie sind Former und Geber neuer Zeiten, und nicht zuletzt der Zeit, in der wir leben. Nichts kann Klassiker für unseren Alltag ersetzen, nichts ist wichtiger als ein gemeinsames Bemühen um diese Urform des Begreifens. Darum Klassiker!“
Unumstritten gehört auch Heinrich von Kleists Lustspiel von 1808 zu den Klassikern der Literatur. Und dass dieser keineswegs verstaubt sein muss, zeigte am Montag, 09.02.26 das „überall-Theater“ in einer unterhaltsamen wie überraschend interaktiven, reduzierten Adaption. Das Tournee- Ensemble mit Sitz in Wien, bestehend aus 3 professionellen Darstellerinnen und Darstellern, agierte von Beginn an nicht für, sondern mit seinem Publikum. So wurde die Figur des Ruprecht Tümpel kurzerhand zu Paul (dem Authentischen) und Eve Rull zu Sophie (perfekte Besetzung!). Der Jahrgang 12 fand sich in der Rolle des Gerichtspublikums und Requisitenbeauftragten wieder und übernahm am Ende des Stücks sogar die Rolle des Dramaturgen. Die angehenden Abiturienten entschieden über das Schicksal des korrupten Dorfrichters Adam bzw. des zu Unrecht beschuldigten Verlobten Ruprecht. Ihn in den Krieg zu schicken, mit dem die Schauspieler den Stoff in die Gegenwart der sogenannten „russischen Militäroperation“ holten, wagte letztlich kaum jemand.
Die Ironie im Werk Kleists, über eigenes Fehlverhalten zu verhandeln, wurde in der Aufführung nicht zuletzt durch das präsente (Over-)acting von Valentin Haiden in der Rolle des Richters deutlich. Die Schülerinnen und Schüler werden die Inszenierung als durchaus unterhaltsam und kurzweilig in Erinnerung behalten, auch wenn ihnen stellenweise Rückschlüsse auf die Lektüre des Werkes im Unterricht schwerfielen. Aber letztlich geht es um die Auseinandersetzung mit den Klassikern – und das ist gelungen!
Christina Haase
